In dem heutigen Post geht es um die Bildaussage bzw. wie lenke ich den Betrachter ganz bewußt ins Bild oder auf einen bestimmten Punkt.
Ich werde oft gefragt, wie man eine gewiße Tiefe ins Bild bekommt oder bei Bildmontagen den Betrachter gechickt ins Bild führt und meine Antwort ist in fast allen Fällen immer die gleiche…
man braucht ein gutes Auge fürs Detail und ein feines Gespür für die Gesamtszene, natürlich hilft es auch und ist sogar äußerst wichtig, wenn man seine Umgebung im Alltag sehr genau beobachtet und sich einprägt.
“Photoshop-Technische-Kenntnisse” alleine reichen dafür nicht aus, was man braucht ist ein Perspektivisches Sehen oder besser gesagt, ein gutes Auge für Proportionen, Größenverhältnisse sowie ein Gespür für räumliche Tiefe.
Ich möchte euch mal ein Beispielbild zeigen, wo man mit wenigen mitteln und ohne viel Aufwand ein solches Bild erstellt.
Guckt euch mal dieses Bild genau an und Urteilt dann über das Gesamtbild.
Im Endeffekt ist das kein absolutes Hammerbild, aber durch die Stimmung bekommt das Bild einen gewißen Ausdruck des Gruselns.
Hier habe ich zum Beispiel gar nicht so viel gemacht, das einzige auf was ich hier geachtet habe (und das war mein Ziel) das der Betrachter ins Bild gesogen wird, das er einen leichten wenn auch ganz kleinen Gruseleffekt bekommt.
Wie das mit wenigen mitteln umzusetzen ist, möchte ich euch mal hier in diesem Post erläutern.
Als erstes solltet ihr euch immer klar machen (und das rate ich jedem), was wollt ihr dem Betrachter zeigen.
Ich erlebe es allzuoft, das der Titel des Bildes meißt erst nach der fertigstellung des Bildes gegeben wird und genau da liegt meiner Meinung auch schon das Hauptproblem.
Sowas kann nie wirklich funktionieren und meißtens kommt man von der anfänglichen Grundidee viel zu weit weg, man Driftet komplett ab.
Viele der Profis und ich kenne kaum einen solchen der das so nicht macht, hat am anfang immer eine Idee und Skizziert erstmal seine Idee, versieht die Skizze mit diversen Zusatzinfos und versucht von Anfang an, seiner Linie treu zu bleiben.
Aber viel zu wenige geben sich die Zeit und versuchen das Bild von Grund auf zu Organisieren.
Was mir auch immer wieder auffällt, ist die Tatsache, das viele Leute ihre Bilder nicht Reifen lassen, sobald sie mit dem Werk fertig sind, laden sie es auch gleich schon irgentwo in den diversen Plattformen hoch um es der breiten Masse zugänglich zu machen.
Der Sensations und Anerkennungsdrang spielt hier eine sehr große Rolle, zudem kommt noch die eigene Ungeduld mit dazu.
Schnell präsentieren, möglichst viele Anmerkungen und positive Feedbacks, das ist das Hauptziel von etwa 85% der Fotografen sowie Bildbearbeiter.
Geht mal komplett von dem Drang weg, gleich alles im Netz präsentieren zu wollen, gebt euch die Zeit die ihr für euere Werke braucht. Niemand drängt euch, nur ihr euch selber. Gerade die Anfänger, machen diesen Fehler fast immer aber auch die, die schon fortgeschrittener sind und im übrigen ertappe ich mich selbst auch immer wieder dabei.
Die Idee für ein Bild entsteht immer zuerst im Kopf und damit ihr die Idee erstmal festhalten könnt, empfehle ich das ihr euch eine Skizze macht. Man braucht dafür nicht mal Zeichnen zu können, es ist nur wichtig das ihr mit der Skizze klar kommt.
Macht euch Gedanken wie die Lichtverhältnisse im Bild sein sollten, und begutachtet oder vergleicht es mit euerem Basisbild, welche Lichtverhältnisse dort vorherrschen.
Wenn ihr euch darüber im klaren seit, dann kommt der teil wo es um die Perspektive geht.
Bei einem Basisbild, das in Augenhöhe Fotografiert worden ist, passt nun mal kein Motiv rein, das z.B. in der Hocke Fotografiert worden ist.
Egal wie ihr es in Photoshop dreht und Perspektivisch verzerrt, das wird nix, denn bei dem in der Hocke Fotografierten Objekt fehlt dann ganz einfach die Tiefe, die man aber braucht wenn man ein solches Objekt in ein Bild einfügen will das in Augenhöhe Fotografiert worden ist.
Ihr seht, eine richtige Planung braucht es schon, gerade wenn man alles selbst Fotografieren möchte.
Wenn man nach geeigneten Stocks sucht, dann muß man im grunde fast noch mehr auf solche Dinge achten, wie Licht, Perspektive usw.
Ich möchte hier in meinem Blog gar nicht mehr so auf das Technische eingehen, wie man z.B. diverse Objekte Freistellt oder welche Freistellungsmethode wie und wann angewendet wird. Ich denke dazu gibts im Netz schon viel zu viele tausentfach kopierte Tutorials und Videos, so das ich darin keinen Sinn mehr sehe.
Nun denn, kommen wir zum praktischen Teil.
Die Entsättigung:
Bei vielen der Bilder die ich so sehe, fällt mir oftmals auf, das die vorderen sowie die hinteren Objekte alle die selbe Farbstärke aufweisen.
Wenn man aber mal eine solche Szene real anguckt und mit menschlichem Auge, dann fällt einem sofort auf, das die hinteren Objekte immer etwas entsättigter wahrgenommen werden als die Objekte die sich unmittelbar vor unseren Augen befinden.
Links in der Darstellung habe ich mal versucht euch das Rot in drei schritten zu Entsättigen. Das ist bei allen Bildmontagen quasi ein Grundgesetz, wenn es in Richtung Realismus gehen sollte.
Wie ihr in diesem Beispiel auch gut sehen könnt, wirkt sich die Entsättigung auch auf die Schärfe aus. Das hintere Objekt habe ich nicht Weichgezeichnet und ist im Grunde auch genauso Scharf wie der Würfel im Vordergrund, aber durch das entsättigen, und der entfernung wirkt der Würfel etwas weicher, eigentlich wenn man so will ist dies schon eine optische Täuschung. Deshalb muß man oftmals die hinteren Objekte nicht so extrem Weichzeichen als es anfänglich den anschein hat.
Eine Faustregel in wie weit oder besser gesagt wie stark man Entsättigen sollte kann ich hier nicht geben, das hängt auch von der Entfernung ab wo ihr das Objekt im Bild platziert habt und ist von Bild zu Bild ganz unterschiedlich.
Wer jetzt aber mit den Gedanken spielt und sich frägt… “und was ist wenn ich den Betrachter auf das hintere Objekt lenken möchte?”
Nun, die entfernung bleibt die gleiche und an der Entsättigung wird sich auch nichts ändern, dafür gibts einen ganz banalen und einfachen Trick. Gestaltet das was im Vordergrund ist einfach einen kleinen Tick weicher, hierfür eignet sich auch gut der “Radialer Weichzeichner”, gerade wenn man einen Sogeffekt im Bild haben möchte, wie im Bild ganz oben.
Bei diesem Bild habe ich den “Radialen Weichzeichner – Strahlenförmig” angewendet aber vorher die Ebene dubliziert. Wenn ihr dann mit einem weichen großen Pinsel und mit einer Deckkraft von etwa 25% in der Mitte des Bildes oder da wo ihr den Betrachter hinlenken wollt Vorsichtig ausradiert, dann bekommt ihr so diesen Effekt ganz gut hin.
Die meißten machen dahingehend immer den Fehler, das sie das Scharfzeichnen wo sie den Betrachter hinlenken wollen, anstatt das ganze umgekehrt zu machen.
Wenn man den Betrachter auf ein Objekt lenken will, das etwa 50 bis 80 Meter entfernt ist oder weniger, dann bringt es nichts, das Objekt einfach Scharf zu zeichnen, sondern man sollte den Vordergrund etwas weicher gestalten, somit habt ihr einen viel realistischeren Effekt als andersrum.
Denn durch die unnatürliche Schärfe auf dem hinteren Objekt, wirkt die ganze Szene immer unnatürlich. Das gleiche sehe ich oftmals wenn ich Bilder sehe wo ein bestimmtes Objekt weichgezeichnet wurde. Meißtens völlig unnatürlich, anstatt das hintere Objekt weichzuzeichnen ist es in den meißten Fällen besser den Vordergrund einen Tick zu Schärfen und das Objekt im HG dann etwas zu entsättigen.
Es gibt aber auch Situationen, wo das lecihte Entsättigen nicht zum erwünschten Ergebniss führt und da habe ich auch einen kleinen aber Wirkunsvollen Trick. Reduziert einfach ganz minimal die Flächendeckkraft von 100% auf etwa 95%, das reicht in fast 70% der Fälle aus. Aber bitte nicht die normale Deckkraft mit der Flächendeckkraft des Ebenenmanagers verwechseln.
So, dies war nun der erste Teil und ich hoffe, das ich euch etwas beibringen konnte. Den zweiten teil gibt es in den nächsten Tagen.